Geburt im Wasser – mein Hausgeburtsbericht


Heute möchte ich Euch von meiner ersten Geburt berichten.

Dies ist außerdem das erste Mal, dass ich einen Blog Artikel schreibe. Aufregend!!!

Ich bin selbst Mama von zwei kleinen Mädchen und mache täglich viele spannende Erfahrungen mit ihnen. Diese möchte ich mit Euch teilen.

Jeden Monat sollt Ihr hier künftig etwas Besonderes lesen können. Von der Schwangerschaft, übers selbstbestimmte Gebären bis hin zum bewussten Mama- und Papa-Sein.

Ein Geburtsbericht – etwas sehr Wertvolles

Ich weiß noch, wie gerne ich Geburtsberichte während meiner ersten Schwangerschaft gelesen habe. Sie fühlten sich immer so authentisch und wahr an. Ich konnte mir dadurch viel besser vorstellen, was mich beim Wunder der Geburt wohl erwarten könnte.

Am liebsten las ich Berichte von Hausgeburten. Ich war den Frauen, die ihre Geschichte aufschrieben so dankbar, denn sie inspirierten und bestärkten mich, auf meine Intuition zu hören.

Jetzt möchte ich endlich meine Geschichte erzählen und Euch starke Frauen ermutigen, (weiterhin) Eurem Herzen zu folgen.

Im Paradies zu Hause

Mein Mann und ich lebten mittlerweile fünf Monate auf La Palma, einer kleinen kanarischen Insel im atlantischen Ozean. In einer Gemeinschaft aus insgesamt 10 Personen, von 0 bis 70 Jahren. Liebe und Harmonie miteinander leben und teilen, war unser tägliches Ziel.

In dieser Atmosphäre konnte ich alle Ängste und Sorgen, rund um die Schwangerschaft und Geburt einfach loslassen. Ich war endlich bei mir selbst angekommen. Ich spürte meine Intuition und das Vertrauen in die Kraft des weiblichen Körpers.

White grapes background.

Es war Oktober, der Geburtstermin noch eine Woche hin. Ich ernährte mich von Weintrauben, Kakis, Mandeln und all den saftigen Früchten, die es dort im Überfluss gab. Es war wie im Schlaraffenland und mein schwangerer Körper konnte all seine Energie-, Mineral- und Vitaminreserven komplett auffüllen. Ein absoluter Luxus. Ich fühlte mich stark und gesund.

Ich war bereit für die Geburt meines ersten Kindes.

Morgens, 8 Uhr im Bett

„Psssst, Mauli (mein Mann), meine Fruchtblase ist grad geplatzt. Alles ist nass. Ich glaube, es geht jetzt los!!!“ Was für ein Start. Kurz nachdem ich im feuchten Nass erwachte, machte sich auch schon das erste leichte Ziehen im Unterleib bemerkbar. „Aha, so fühlt sich das also an.“ Das ist ja noch harmlos. Ich war aufgeregt und zitterte am ganzen Körper. Vor Freude und Respekt vor dem, was mich nun erwarten wird. Schnell ins Bad… oh, ich hinterlasse eine Wasserspur. Ein dickes Handtuch verschaffte mir erstmal Abhilfe. Zurück ins Bett gekuschelt. „Und jetzt? Was sollen wir jetzt machen?“ In meiner Vorstellung ging alles viel schneller und ich erwartete bereits die stärksten Wehen. Aber nein, es sollte alles ganz langsam und sanft von statten gehen.

Ungeduldige Stunden

Ich war zu aufgeregt, um einfach im Bett liegen zu bleiben. Ich wollte Aufstehen. Alle anderen schliefen noch. Mauli und ich gingen auf das Dach des Hauses. Von dort aus hatten wir den schönsten Blick den Berg hinunter aufs Meer. Wir drehten dort oben unsere Runden und sangen gemeinsam Lieder.

Ich dachte, wenn es vorangehen soll, dann muss ich mich bewegen. So war ich etwas enttäuscht, als das Ziehen lange Zeit bloß ein Ziehen blieb und sich eigentlich nichts weiter tat.

Ab und zu ging etwas Fruchtwasser ab. Das fühlte sich an, als ob ich ungewollt pinkelte.

Vor lauter Ungeduld fing ich an, unser Zimmer sauber zu machen. Aufräumen, Fegen, Sortieren. Dann nahm ich die Wickelunterlage aus dem Schrank und legte sie auf den Tisch. Da hielt ich zum ersten Mal inne und mir wurde klar: „Vielleicht werde ich heute schon mein kleines Baby in den Armen halten .“ Ein unbeschreibliches Gefühl von Vorfreude überkam mich.

Das Ziehen wurde inzwischen doch schon etwas stärker. Ich freute mich, ich hatte einfach richtig Lust dieses Kind jetzt zu gebären. Alle waren nun wach und wussten, dass es soweit ist. Ich lief durchs Haus und blieb immer mal wieder stehen, um die Wehen zu veratmen. Meine Freundin machte mir einen Fruchtshake. Hunger hatte ich überhaupt keinen, aber ein frisches dickflüssiges Getränk war genau das Richtige.

Die Ruhe vor dem Sturm

Am frühen Nachmittag war dann wieder Stille. Ich spürte gar kein Ziehen mehr. Nahm es nun aber gelassen und ruhte mich aus. Wir hatten uns draußen ein kleines Lager aufgebaut: Mit Kissen und Sonnenschirmen, einem Hopseball und großen Decken. So konnte ich ruhen und die Anwesenheit meiner lieben Freunde um mich herum genießen. Es war so schön zu spüren, wie sie alle für mich da sind und gemeinsam mit mir dieses Wunder erleben.

Nach einer Weile hatte ich das Bedürfnis, mich zurückzuziehen. Ich fühlte, wie sich mein Baby im Bauch bewegte, ihm ging es gut. Doch in mir kamen auf einmal Zweifel auf. Wird alles gut gehen? Ist es richtig, hier zu Hause zu sein?

Da wir in Spanien waren, gab es keine Hebamme, die uns bei einer Hausgeburt unterstützte. Wir hatten lediglich einen deutschen Gynäkologen in Rufbereitschaft und eine Privatklinik, die uns durch die Vorsorgeuntersuchungen kannte und zu der wir jederzeit hätten fahren können.

Aber ich wollte eine Hausgeburt. Ich fühlte mich sicher und wusste, dass alles gut gehen wird.

Ich nahm einen Zettel, auf dem ich zuvor viele positive Affirmationen geschrieben hatte und las ihn vor. Wie ein Mantra las und spürte ich die Sätze: „Meinem Baby geht es gut. Ich werde eine sanfte, entspannte Geburt erleben. Mein Körper ist dafür geschaffen, um natürlich zu gebären. Ich öffne mich, wie eine Blume und lasse die Geburt meines Kindes geschehen. Ich weiß in jedem Moment genau, was zu tun ist. …“ Das half mir sehr, um wieder zu mir selbst zu kommen und ganz im Vertrauen zu sein.

Meine Freundin kam dann zu mir und umarmte mich. Sie fühlte meine Angst und sagte: „Lass alles zu, Tränen, Freude, was auch immer jetzt hochkommt und dich bewegt. Lass es einfach zu!“

Dankbar für diese Worte, ruhte ich mich noch eine Weile auf dem Bett aus. Und so kamen die Wellen wie von allein und wurden endlich stärker.

Die Wellen Reiten lernen

Durch die lange Pause und den zögernden Beginn zweifelte ich zwischendurch immer mal wieder, ob denn die Geburt nun wirklich losging.

Aber jetzt waren die Wehen wirklich da. Ich schaute nicht auf die Uhr, deshalb wusste ich nicht, in welchen Abständen. Aber sie waren inzwischen so intensiv, dass ich leise langgezogene Töne machte, um sie zu veratmen. Das tat sehr gut. Aber das Liegen wurde nun unbequem.

Ich nahm eine heiße Dusche. Das warme Wasser war angenehm und es verstärkte die Wehen. Ich musste nun schon in die Knie gehen, wenn sie kamen.

Nun wollte ich in die Badewanne gehen. Dort verbrachte ich eine ganze Weile.. singend, tönend und lachend. Ja, am Ende jeder Wehe musste ich oft über mich selbst lachen. Das Rumtönen klang einfach so witzig. Es war bereits Abend und Kerzen erhellten das Badezimmer. Der fünfjährige Sohn meiner Freundin saß bei mir und sang mir zusammen mit meinem Mann Lieder vor. Sie brachten mir Apfelstückchen, darauf hatte ich wirklich Appetit, und massierten mir den Rücken. Es war einfach traumhaft und ich fühlte mich wohl und sicher und geborgen.

Irgendwann stieg ich wieder aus der Wanne und war schier übermannt von der Stärke der Wehen. Sie fühlten sich an Land ganz anders als im Wasser an und waren kaum auszuhalten.

Außerdem musste ich plötzlich dringend aufs Klo. Es war, als würde sich mein gesamter Verdauungsapparat entleeren, um Platz für das Baby zu machen. Eine wirklich schräge Erfahrung, vor allem mit den Wehen dazwischen.

Meine liebsten Freunde schlugen vor, einen kleinen Pool, so etwas wie ein Kinderplanschbecken, im großem Gemeinschaftsraum aufzustellen. Provisorisch bastelten sie mir sogar noch ein Trapez drüber, an dem ich mich festhalten konnte, wenn ich wollte.

Ich war dankbar für dieses Angebot, so war in der Badewanne doch nicht genügend Platz und Bewegungsfreiheit, um nun bequeme Positionen einzunehmen. Und auch wenn der kleine Pool nicht sonderlich tief oder stabil war, ich war zumindest im Wasser und konnte eine für mich angenehme Position einnehmen.

Die Zeit draußen war wirklich geprägt von schmerzhaften Wehen. Ich wollte so schnell es geht zurück ins Wasser, in dem mir Entspannung und Schmerzlinderung sicher waren.

Wie eine Hibiskusblüte, die sich öffnet

Und nun war ich dort, zufrieden im kleinen Pool, im warmen Wasser. Was für eine Erleichterung. Die Wehen waren nun sehr intensiv und ich nahm jede Welle mit einem lauten, langen: „Jaaaaaa!“ Ein Ja zu meinem Baby, das nun kommen durfte. Ein Ja zum Leben, ein Ja zur selbstbestimmten Geburt.

Um mich herum hörte ich sanft singende Stimmen und ganz oft auch einfach nur Stille. Aber alle waren dort und unterstützten mich mit ihrer wundervollen Präsenz.

In jedem Moment wusste ich, was richtig für mich ist und habe mich von diesem intuitiven Gefühl durch den Geburtsprozess leiten lassen.

Sprechen konnte ich nun nicht mehr. Ich war fokussiert und bündelte all meine Kraft und Konzentration auf das Wunder, das da gerade geschah.

Innerlich stellte ich mir immer wieder eine rote Hibiskusblüte vor, die sich ganz weit öffnete. Synchron zu meinem Muttermund.

Nach vier Stunden im Pool, es war bereits nach Mitternacht, bemerkte ich, dass ich langsam erschöpft und müde wurde. Ich hatte das Gefühl „nicht mehr zu können“ und sehnte die Geburt des Babys herbei. Jede Wehe war schließlich anstrengend und ich wusste nicht, wie lange das noch so weitergehen sollte.

Bei der nächsten Wehe dann, kam ein enormer Pressdrang und Kraftschub dazu. Ich spürte, dass sich auf einmal richtig was bewegt und das Köpfchen tiefer gerutscht ist. Mit meiner Hand konnte ich den Kopf dann sogar anfassen. Ich war aus dem Häuschen vor Freude. Mit Hilfe eines Spiegels konnte ich selbst das Köpfchen sehen und wusste, dass es nun bald geschafft war. Eine Mischung aus Lachen und Weinen überkam mich und ich habe gejubelt und geschrien zu gleich. Mein Mann ebenso. Die nächste Wehe brachte den Kopf zum Vorschein. Und bei der letzten Wehe war dann unsere Tochter geboren. Sie glitt sanft in die Hände meines Mannes.

Zauberhaft

Unbeschreiblich ist der Moment, in dem ich sie in meinem Arm halten und das erste Mal anschauen konnte. Wow, dafür fehlen mir noch immer die Worte.

Baby - Wassergeburt

Wir verbrachten eine ganze Weile noch im Wasser. Sie trank das erste Mal an der Brust und wir gingen gemeinsam ins Bett.

Mein Mann schlief erschöpft und glücklich ein. Ich war hellwach, veratmete auch noch die Nachwehen und hoffte, dass die Plazenta auch bald mal käme. Die ließ einfach lange auf sich warten.

Leider kam sie nicht von allein und nach einem kurzen Telefonat mit dem deutschen Gynäkologen entschieden wir, doch noch in die Klinik zu fahren. Dort hatte ich Glück, denn die Plazenta konnte manuell ohne weitere Rückstände entfernt werden. Die Kleine war die ganze Zeit bei mir oder bei meinem Mann auf dem Arm.

Wir konnten sofort wieder nach Hause und ich war unendlich dankbar über die Hilfe des Arztes in der Klinik.

Jetzt konnte ich mich in unser kleines Nest begeben und einfach nur entspannen und genießen und aus dieser unsagbaren Kraft schöpfen, die mir dieses Geburtserlebnis geschenkt hat.

Der Name unserer Tochter kam erst nach einer Woche zu uns. Wir nennen sie Freya, die Göttin der Liebe.


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